Gedanklicher Rundgang durch das Mercedes-Benz Museum

Mein Name ist Marco Slama. Normalerweise arbeite ich in der Instandhaltung als Industrieelektroniker. Hier schreibe ich in einer anderen Funktion: als Guide für das Mercedes-Benz Museum. Es ist kurz vor neun Uhr, an einem Samstag als könnte er nicht schöner sein. Ich bin gerade noch einmal den Dienstplan durchgegangen, um zu sehen, wen ich alles heute durch das Museum führen darf.

Denn an einigen Tagen im Monat arbeite ich dort. Und das bedeutet viele Gäste optimal versorgen, damit sie einen unvergesslichen Tag im Museum erleben dürfen. Darunter fallen auch Aufgaben wie Führungen durch die Exponate oder einen Einblick in den Bereich der Faszination und Technik zu geben.

So nun muss ich mal schnell noch sehen wen ich als erstes willkommen heißen darf auf meiner Tour. Ah da steht es ja schon, eine Lehrergruppe aus Schwäbisch Gmünd. Nun noch schnell nach hinten gehen und den „Kühlschrank“ holen. Nein keine Angst es gibt kein Eis. So nennen wir den Audiogerätekasten in dem die Empfangsteile sind. Jeder bekommt so ein Gerät mit Kopfhörer, dass er mich auch hören kann wenn ich etwas sage. Schnell noch das Mikro umhängen und die Kanäle checken. Scheint alles ok zu sein. Nun kann es losgehen. Als ich den Kasten gerade nach draußen schiebe, winkt mir der Empfangschef schon zu dass meine Gruppe da sei. Sie haben bereits die Karten gekauft und ich bin schon auf dem Weg zu ihnen. Dort treffe ich auf Herrn Schulz der die Reise organisiert hat.

Nach einer kurzen Einweisung mit den Geräten von mir, befinden uns wir auch schon im Zentrum des Atriums. Hier halte ich mich immer etwas kurz, denn meine Gäste wollen ja möglichst viel vom Museum sehen.

Zeitreise im Atrium.jpg

Nun wollen wir nun aber unsere Zeitreise beginnen. Dazu besteigen wir eine der drei Raumkapseln, diese bringen uns auf eine Höhe von ca. 42 Meter Höhe. Und dort treffen wir auch schon auf das erste Fortbewegungsmittel der damaligen Zeit. Wie sollte es anders sein, ein Pferd erwartet uns dort.

Und schon kommt meine erste Frage. Warum wurde das Auto erfunden? Alle schauen sich verwundert an und zucken mit den Schultern. Und richten dann fragend ihr Blicke auf mich. Ist doch ganz einfach erläutere ich: Der Pferdediebstahl nahm immer mehr zu. Deswegen musste das Automobil erfunden werden. Ein Lachen und Schmunzeln erfüllt die Halle. Und schon tauchen wir in den ersten Mythosraum eins ein. Dort wo 1885 Geschichte geschrieben worden ist.

Mythosraum 1.JPG

Und zwar von den Herren Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach, die bereits am 3. April 1885 den Daimler Einzylindermotor, scherzhaft auch Standuhr genannt, patentieren lassen. Natürlich gab es noch einen weiteren wichtigen Mann der damaligen Zeit. Mit seinem Benz Patent-Motorwagen vom 29. Januar 1886 schrieb damals Karl Benz Automobil Geschichte. Viele interessante Geschichten sind legendär und fest in den Annalen der Automobilgeschichte verankert. Den Ausfahrten mit solchen Gefährten war abenteuerlich. Und da es noch keine Tankstellen gab wurde das Benzin literweise aus Apotheken geholt. Selbst der Bremsverschleiß war ein heißes Thema. Der Dorfschuster musste mit Lederstreifen aushelfen.

Mythos Mercedes.JPGVorbei an der Zeitgeschichte, arbeiten wir uns nach unten vor. Sozusagen zurück in die Zukunft auf einer der beiden Schleifen im Museum. Denn es ist möglich zwei verschiedene Rundgänge zu erleben. Meine Aufgabe ist es nun, meinen Gästen eine wunderbare Geschichte zu erzählen rund um den Mythos Mercedes. Aber es darf dabei nie das Gefühl entstehen als wäre es auswendig gelernt. Ich habe schon einen gewissen Leitfaden, an den ich mich halte. Aber davon merken meine Gäste hoffentlich nichts. Spezielle Wünsche werden natürlich immer mit eingebunden. Und das ist es eigentlich was eine persönliche Führung am Ende dann doch ausmacht.

Collectionsraum.JPGSchon geht es weiter in die Collections Räume die wir zusammen besuchen. Dort finden wir die Automobile thematisch angeordnet nach Schwerpunkten. Deswegen ist es für mich auch immer wichtig vorher zu wissen wer kommt mit mir zusammen auf eine Reise. Denn wenn es z.B. eine Gruppe vom Roten Kreuz ist, besuche ich auf jeden Fall den Raum der Helfer. Dort dreht sich alles um die Helfer, wie es der Name schon sagt. Und man darf sich nicht immer auf die Autos konzentrieren. Nein man sollte auch ab und zu auf den Boden sehen. Denn der ist besonders wichtig bei den Helfern. Das Museum wäre natürlich nicht einmalig wenn es nur Automobile hätte. Nein es gibt auch Architekturinteressierten viele Anschauungsmöglichkeiten.

Architektur.jpgVorbei an der Außenwandtreppe trifft man auf besondere Wände die wie gewölbte Flugzeugflügel aussehen. Diese werden „Twist Wände“ genannt. Und wenn man sich selbst mal ein solches Museum bauen möchte, ist das relativ einfach: Man nehme ein Stück Autobahn, schneide diese in Stücke und lege sie übereinander.

Noch ein paar Glasscheiben und Aluminium darum befestigen. Und schon hat man sein eigenes Museum für daheim. Wer dann noch Zeit hat kann die Scheiben vom Museum zählen. Bin mal gespannt wie viel jeder dabei herausbekommt. Für mich ist es wichtig, meine Gäste in das Geschehen interaktiv mit einzubeziehen. Da kann es schon einmal vorkommen dass ich einige Wissensfragen stelle. Wie z.B. hieß unser erster Bundeskanzler. Aber keine Sorge es gibt keine Noten dafür wie in der Schule.
Manchmal besteigen wir auch zusammen den Fussball-WM Bus von 1974. Es ist für mich besonders wichtig, dass die Besucher das Gefühl bekommen mitten im Geschehen zu sein. Wenn ich Kinder dabei habe, ist das immer das größte für sie. Und für unsere großen Gäste hat der Bus im hinteren Teil auch eine ganz besondere Einrichtung.

Rennen und Rekorde.jpgUnd schon nähern wir uns langsam dem letzten Mythos Raum – Rennen und Rekorde. Dort stehen auch unsere beiden Fahrsimulatoren. Diese sind wirklich spektakulär auf ihre Weise. Nicht nur dass sich die Sitze der Zeit und den Autos anpassen. Nein man fährt durch die Zeit vorwärts auf die Zukunft zu. Mein Tipp ist immer, am besten mit nüchternem Magen eine Fahrt zu unternehmen. Denn man wird richtig durchgeschüttelt. Als ich mal mit einem Engländer zusammen gefahren bin war jedes zweites Wort von ihm nur „It´s incredible“. Einmal musste ich sogar eine Frau tragen da sie nicht mehr gehen konnte. Als ich sie dann wieder absetzte, wollte sie gar nicht mehr von meinen Händen herunter. Und sie fand es phantastisch dass ich so spontan reagiert hatte.

Leider hat alles einmal ein Ende. So auch die Führung durch das Museum. Die meisten sind dann doch ein wenig enttäuscht dass es schon vorbei ist. Und bedanken sich dann mit einem Applaus bei mir. Das ist immer ein Zeichen für mich das es ihnen sehr gut gefallen hat. Und wann möchten Sie applaudieren?


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
No votes yet.
Bitte warten...

Tags: ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Herbert Jäger: Hallo, hoffe den EQC gibt es mit Anhängerkupplung, ...

  2. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Kevin Berger: Toller Bericht und tolle Bilder!! Die Tarnung ist auch sehr...

  3. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Andreas Glatz: Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. Auch ihr macht einen tollen...

  4. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Marc Christiansen: Sehr schöner Artikel Herr Scheible! Freue mich auf den EQ C.

  5. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Manuel: Hallo Karl, super geschriebener Bericht mit tollen Bildern. Und das alles...