Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in Malawi

Seit gut 3 Jahren arbeite ich in der Zentrale von Daimler in dem Personalbereich Berufs- und Ausbildungspolitik national und international. Im Schwerpunkt betreue ich unsere internationalen Standorte/Partner, welche in der Regel Werke und Händlerbetriebe auf dem afrikanischen Kontinent sind. Was verbirgt sich hinter den 3 P’s….?

Ausgeschrieben heißt es , PublicPrivatePartnership-Projekt, doch was bedeutet dies? Seit 1999 gibt es diese Form der Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, kurz BMZ genannt, und privaten Unternehmen. Der Fokus dabei liegt auf Entwicklungsländern und deren Hauptprobleme im eigenen Land.

Das Projekt

Im Falle Malawi fokussieren wir uns auf die Berufsausbildung, das verschulte Bildungssystem Malawis stellt theoretisch eine Grundausbildung im Kfz-Sektor dar. In Wirklichkeit sind jedoch die „Berufschulen“ weder hinsichtlich der technische Ausrüstung, noch bezüglich des Know Hows, auf einem Niveau die Azubis nach Abschluss der Ausbildung in die Lage zu versetzen, Autos und LKW’s zu reparieren.

Die Beteiligten

So diskutierten wir in 2004 zum ersten Mal mit lokalen Vertretern aus Wirtschaft und Staat, über mögliche Maßnahmen welche die angesprochene Situation verbessern sollten. Sowohl unser lokaler Mercedes-Benz Generalimporteur als auch die schulischen Partner waren von der Idee ein regionales Ausbildungszentrum nach deutschen Standards zu errichten begeistert. Mit schon relativ konkreten Vorstellungen, gab es dann mit der GTZ (Gesellschaft für wirtschaftliche und Technische Zusammenarbeit), eine Unterorganisation des BMZ und den lokalen Partnern, Verhandlungen über ein PPP-Projekt wie ich es eingangs beschrieben habe. Ende 2005 wurde dann ein bis in Details ausgearbeiteter Vertrag mit Zielen, Budget, etc. unterschrieben. Nun lag es an mir, die vereinbarten Maßnahmen durchzuführen.

Anlaufschwierigkeiten

Zunächst sollte ein deutscher Experte für Berufsausbildung für 2-3 Jahre nach Malawi entsannt werden, um ein Ausbildungscenter aufzubauen. Drei Tage vor Vertragsunterzeichnung, gab es einen sehr herben Rückschlag: Der ausgewählte Experte hatte es sich aus privaten Gründen kurzfristig anders überlegt und entschied –entgegen der mündlichen Vereinbarung- nicht vor Ort zu gehen. Mir denkt dieser Anruf mit der Absage noch so wie wenn er gestern stattgefunden hätte. Mir wurde heiß und kalt und ich sah dieses tolle Vorhaben mehr als gefährdet. Wo findet man schon auf die Schnelle einen Menschen, mit den entsprechenden Qualifikationen, der sich dann auch noch bereit erklärt für Jahre in eines der ärmsten Länder dieser Erde zu ziehen, um dort jungen Menschen beizubringen wie man Fahrzeuge repariert und wartet?

Blantyre TrainingscenterProjektstart

Wir, die GTZ und Daimler, gaben das Projekt jedoch nicht auf und suchten nach einem adäquaten Ersatz für unseren „verlorengegangenen“ Experten. Ganze 10 Monate dauerte es bis wir adäquaten Ersatz gefunden haben. Am 1. August 2006 schlug also dann tatsächlich unser Ausbilder vor Ort in Blantyre/Malawi auf und begann mit dem Aufbau des Training Centers.

Mit Hochdruck wurden die Themen wie Umbau und Ausstattung der örtlichen Räumlichkeiten angepackt. In enger Abstimmung mit unseren lokalen privaten und staatlichen Partnern, gelang es uns in nur wenigen AzubisMonaten den deutschen Ausbildungsrahmenplan an die lokalen Rahmenbedingungen zu adaptieren und am Ende eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker zu erlangen.

Ausbildungsbeginn

Anfang dieses Jahres, konnten wir mit der Auswahl der ersten 16 Auszubildenden beginnen. Diese sollten im neuen Ausbildungscenter eine zweijährige Berufsausbildung starten.

Damit dieses ganze Vorhaben mittel und langfristig auch ohne deutschen Experten funktionieren kann, hat unser Generalimporteur gleich noch zwei Mechatroniker-Azubis bei der Arbeitlokale Ingenieure welche erst jüngst ein technisches Studium absolviert haben, zum 1. Februar 2007 eingestellt.

Startschuss

Am 2. April 2007 war es dann tatsächlich soweit. 13 junge malawische Männer und 3 junge malawische Frauen begannen mit der zweijährigen Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Durch die einmalige Konstellation der Auszubildenden, von denen 4 bei unserem Generalvertreter angestellt sind und die anderen 12 bei Händlerbetrieben konzernfremder Marken, sowie 2 die an einem staatlichen technischen Institut unter Vertrag sind, ist der gesellschaftliche Nutzen wirklich außerordentlich. Das Projekt ist für die Menschen in Malawi eine unglaublich große Sache. Alle sind so stolz und glücklich ein solch hochmodernes Training Center in Ihrem Land zu haben. Deshalb blieb es nicht aus, dass ich mich an die Organisation einer offiziellen Eröffnungsveranstaltung gemacht habe.

Die Eröffnungsveranstaltung und der Tod der Präsidentengattin

Direkt nach dem Start der Ausbildung koordinierte und plante ich eine solche Veranstaltung für den Juni ein. In etwa 200 geladene Gäste aus Wirtschaft und Politik hätten an der Einweihung teilnehmen sollen. Doch ein paar Wochen vor dem vereinbarten Termin verstarb die Gattin des malawischen Präsidenten, der natürlich auf Grund des hohen Eröffnungsveranstalung mit dem PräsidentenAnsehens dieses Projekts eingeladen war. In Malawi gelten bei so einem tragischen Vorfall gewisse Regeln. Eine davon heißt: es darf, ab dem Tag an dem die Gattin des Präsidenten gestorben ist, für 30 Tage keine Veranstaltung stattfinden.

Die Feier, die letztendlich am 19. September stattgefunden hat, war einmalig! Ganz tolle Stimmung! Alles passte sehr gut zusammen und sogar die Auszubildenden selbst versuchten sich in die Liste der offiziellen Redner einreihen. Sie wollten aus ihrer Sicht erzählen, wie unendlich stolz sie sind, die ersten Kfz-Mechatroniker-Azubis in Malawi zu sein. So etwas berührt einen dann schon ganz schön! Das waren, in Kurzform, die Hochs und Tiefs von 2 Jahren Arbeit. Ich bin ganz schön stolz und auch sehr glücklich darüber, dass ich ein solches Projekt federführend durchziehen durfte!

Nachdem nun das Training Center erfolgreich eingeweiht wurde, werde ich in meinem nächsten Beitrag über die weiteren Herausforderungen im Zusammenhang mit diesem Projekt berichten. Ich bin mir sicher, es bleibt spannend.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
4.0 / 5 (1 Bewertung)
Bitte warten...

Tags: , , , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Dieser Artikel wurde von geschrieben.

Lernen Sie weitere Autoren kennen oder lesen hier mehr über das Blog.

Die letzten 5 Kommentare

  1. What does it take to be a Digital Leader in 2017?

    Brainpool: No doubt IT is Chefsache

  2. Mercedes-Benz X-Klasse: Erste Eindrücke aus Kapstadt

    Walther Brück: Hallo Sascha, was für ein toller Bericht über die X-Klasse. Freue mich schon...

  3. Warum es für Mercedes mit dem DFB nicht weiter geht

    Frank Weitz: Sehr geehrter Herr Dr. Zetsche, Vielen Dank für diese Worte. Mich selber schüttelt...

  4. Schon gesehen? Unsere Neuheiten auf dem Auto-Salon in Genf

    Axel: @K.Friedt Rechtschreibung will besonders in der Öffentlichkeit beachtet werden…..

  5. Meine Markenbotschafter-Woche mit Roger Federer & Co.

    Andreas Hartmann: Mit Roger Federer hat Daimler einen Markenbotschafter der nicht zu schlagen...